Von moviebox.ch zu filminfo.ch – Miéville vs Godard

Seit fast einem Jahr ist diese Homepage nun «online». Neben einigen Beiträgen zum Schweizer Film bildet das Verzeichnis der Schweizer Filme das Herzstück dieser Homepage. Der bisherige Name der Homepage moviebox.ch entstand aus der Idee heraus, dass sich all meine Filme auf einer Box befinden, daher der Name moviebox.ch.

Nun ergibt eine Homepage nüchtern betrachtet nur dann Sinn, wenn sie im Internet gefunden wird. Nun war/ist dies seit dem Aufschalten von moviebox.ch eher nicht der Fall. Die Seite wurde faktisch bei den Suchdiensten gar nicht aufgeführt. Lange rätselte ich, warum dem so ist. Vor einigen Tagen durfte ich bei der Anzeige der Treffer feststellen, dass der Branchenriese anführt, einige Treffer würden aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt.

Ich musste/durfte erkennen, dass es unter ähnlichen Namen (die genaue Schreibweise soll hier nicht genannt werden) Homepages gibt, auf denen illegal Filme zum Ansehen angeboten werden. Dies ist bei moviebox.ch ultimativ und explizit nicht der Fall, aber es scheint, dass der alte Name aufgrund des ähnlichen Namens gänzlich unterschlagen wurde.

Daher habe ich mich entschieden, ab sofort anstelle des Namens moviebox.ch den wohl auch geläufigeren Namen filminfo.ch zu verwenden. Der alte Name bleibt erhalten, jedoch wird ab sofort immer und ausschliesslich filminfo.ch verwendet.

filminfo.ch: Grösstes Schweizer Filmverzeichnis

Als ich vor einigen Jahren mit dem Sammeln von Filmen begann, hatte ich kein Konzept. Klar war einzig, die Kinos waren wegen einem (bzw. vielen) Viech/ern geschlossen und Netflix et al waren mir zu «mager». Bis heute sammle ich nicht nur Schweizer Filme, sondern Filme aus der gesamten Welt. Irgendwann fand ich dann aber doch, dass Verhältnis von Filmen aus den USA zur Schweiz oder anderen europäischen Ländern sei etwas gar «übergewaltig».

Das mag der Marktmacht des amerikanischen Kinos (Hollywood) geschuldet sein, keine Frage. Diese Dominanz führt aber dazu, dass es Filme aus der Schweiz schwer haben, sich in dieser Konstellation überhaupt zu behaupten. Irgendwann steckte ich mir das Ziel, pro 100 Filme mindestens 4 aus der Schweiz in die Sammlung aufzunehmen. Wie war ich stolz, als ich die ersten 100 Schweizer Filme im Archiv hatte. Dies führte mich zur Liste «100 beste Schweizer Filme».

Von der Mehrheit der dort angeführten Filmen kannte ich die wenigsten Werke. Aber ich wollte diese kennenlernen und fand bald sehr ausgiebig Gefallen an der Vielfalt der Schweizer Filme. Ich merkte dabei aber auch, dass es neben dieser Liste nur wenige Informationen zum Schweizer Film gibt. Einzig aeppli.ch pflegt eine Liste von Schweizer Filmen. Vor gut einem Jahr hatte ich das Vergnügen, Felix Aeppli persönlich kennenzulernen.

Ich regte dabei an, seine Filme von den DVDs (die langsam zerfallen) auf die Festplatte zu kopieren. Felix meinte zunächst, dass sei einfach zu viel Aufwand. Letztlich einigten wir uns, es gemeinsam anzugehen. Nach einigen Monaten des regelmässigen Austausches war seine Sammlung auf der Festplatte. Ich durfte in dieser Zeit unendlich viel über Schweizer Filme lernen, danke Felix!

Durch die Sammlung von Felix lernte ich viele neue Filmgrössen der Schweiz kennen. Meine Sammler-Leidenschaft war erst recht erweckt. Mit der Zeit entstand neben dem Archiv auch ein stattliches Verzeichnis an Schweizer Filmen. Daher entschied ich mich, dieses Verzeichnis auf  moviebox.ch zu vernöffentlichen. Nicht als Konkurrenzu, sondern als Alternative. Die Sammlung von Felix bietet nämlich den wohl besten Überblick der wichtigsten Schweizer Werke auf einer kompakten Liste.

Dieser Überblick ist bei filminfo.ch aktuell so nicht möglich, dafür ist die Liste mit aktuell über 16000 Filmen schlicht zu gross. Dagegen lassen sich Schweizer Filme über die Datenbank sehr gut finden, ebenso Regisseure/innen wie Schauspieler/innen. Da aktuell nur die Schweizer Filme enthalten sind, erscheinen aber oft nicht sämtliche Werke, weil Schweizer Filmemacher/innen oft im Ausland arbeiten und produzieren. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, eine Lösung über das gesamte Verzeichnis zu finden. Wir werden sehen…

Anne-Marie Miéville (34) und Jean-Luc Godard (144)

An dieser Stelle möchte ich stellvertretend für viele andere das Paar Anne-Marie Miéville und Jean-Luc Godard anführen. Der Name Godard wird wohl bekannt sein. Anne-Marie Miéville eher nicht. Sie dürfte bis heute unterschätzt werden. Frau Miéville war nicht einfach die Lebens- und Arbeitspartnerin von Godard, vielmehr ging sie einen eigenen Weg mit ihren Filmen. So ist z.B. «Le livre de Marie» (1985) derart klar in Handlung und Erzählsprache, dass das «Gegenstück», der Film «Je vous salue, Marie» (1985) von Godard (zumindest für mich) fast schon unpräzise, auch etwas abgehoben, erscheint.

Miéville zeigt im Film ‹Le livre de Maria» (1985) eindrücklich die Tücken des (gescheiterten) Famlienlebens auf.

Godard und Miéville lernten sich in den späten 60er-Jahren in Paris kennen. Godard hatte bis dahin bereits Dutzende von Filmen realisiert. Seine späteren Filme der 60-Jahre wirken (wiederum meine persönliche Sicht) aber zuweilen verworren und auch ultra provokativ. Es gab Jahre in seinem Schaffen, wo fast alle seine Werke letztlich nicht ausgespielt wurden. Als Beispiel sei hier «Le Gai Savoir» (1969) genannt, den er für das französische Fernsehen produzierte. Der Film wurde als «zu weit entfernt von einem aufführbaren Film» nicht gezeigt. Ich würde es so formulieren, dass dieser Film bis heute die Geduld gar arg strapaziert.

Etwas weniger Agitation und dafür eine gute Handlung dürften deutlich mehr wirken (vielleicht nicht bewirken, aber das dürfte ohnehin zu viel von Filmen verlangt sein). Ich denke, da war Anne-Marie Miéville eine wichtige Stütze bzw. gar seine «Rettung». Anne-Marie Miéville hat (etwas pathetisch gesagt) das Kunstück geschafft, Godard zu bändigen. Noch mehr aber hat Anne-Marie Miéville eigene Filme erschaffen, Werke von zeitloser Eleganz, auch wenn die «nackten» Zahlen (Anzahl der Filme) eine andere Sprache sprechen.

Damit können endlich die (34) und (144) im Titel aufgelöst werden. Bei Anne-Marie Miéville erhalte ich aktuell 34 Treffer, bei Jean-Luc Godard sind es 144 (!) Beiträge. Darunter gibt es auch einige Filme, die sich mit dem «Schaffen» der beiden auseinandersetzten.

Bei der grössten öffentlichen Filmsammlugn der Schweiz, beim Institut für Filmwissenschaften der Universität Zürich sind im Katalog 10 Einträge für Anne-Marie Miéville und 78 Werke bei Jean-Luc Godard aufgeführt. In diesem Sinne zeigt meine private Sammlung, dass sie sich nicht zu verstecken braucht. Aber, und dies sei hier auch angeführt, das Institut für Filmwissenschaft in Zürich leistet grossartige Arbeit, denn ohne deren Verzeichnis würde ich viele Filme gar nicht erst finden. Dafür möchte ich dem Institut für Filmwissenschaften der Universität Zürich in aller Form danken.

Insbesondere die zusätzlichen Vermerke (z.B. Bezugsquelle, Bildformat, Sprach- und Untertitelversionen) sind sehr wertvoll, wenn es darum geht, Filmraritäten aufzuspüren. Ebenfalls sind bei sehr vielen Werke die externen Links zu den verfügbaren Filmverzeichnissen angeführt und auch Beschreibungen ab Wikipedia sind toll integriert. Es bereitet viel Freude, mit dem Verzeichnis zu arbeiten. 

Mein Verzeichnis ist in dieser Hinsicht spartanischer: Die professionelle Arbeit des Instituts für Filmwissenschaft kann durch eine in der Freizeit geführte Sammlung nicht erreicht werden, genau so wie ich aus zeitlichen Gründen wenig Rücksicht auf verschiedene Schnittfassungen nehmen kann, die alle fein säuberlich beim Katalog des Filminstitutes angeführt sind. Nun aber viel Spass mit filminfo.ch.

P.S. Das erste Bild entstammt meiner lokalen KI. Es soll zeigen, dass ein neues Schiff (eben) filminfo.ch in den Hafen einläuft. Das zweite Bild entstammt dem entsprechenden Film und wird hier im Sinne des Zitierungsrechtes verwendet. Eine anderweitige Verwendung ist ausgeschlossen. In diesem Sinne dürfen die Bilder auch nicht ab dieser Homepage kopiert werden

Nach oben scrollen